Ratgeber
Baukasten oder eigene Website?
Ich baue Websites — trotzdem rate ich nicht jedem davon ab, einen Baukasten zu nehmen. Für manche Betriebe ist er die richtige Entscheidung. Hier steht, für welche, und wo er tatsächlich an Grenzen kommt.
Wann ein Baukasten wirklich reicht
Alle vier Punkte treffen zu? Dann nimm einen Baukasten und gib das Geld für etwas anderes aus.
- Die Website ist eine Visitenkarte. Adresse, Öffnungszeiten, Telefon, ein paar Bilder. Mehr braucht es nicht.
- Deine Kunden kommen über Empfehlung. Wer nicht über Google gefunden werden muss, verzichtet auf den größten Vorteil einer eigenen Website.
- Es gibt niemanden, der Inhalte pflegt. Eine aufwendige Seite, die drei Jahre unverändert steht, ist verschwendetes Geld.
- Nichts muss angebunden werden. Keine Terminbuchung, kein Kundenbereich, keine Warenwirtschaft.
Wo der Baukasten an Grenzen kommt
Ladezeit
Baukästen liefern viel Technik mit, die deine Seite nicht braucht, aber trotzdem laden muss. Auf dem Telefon im Mobilfunknetz merkt man das. Google inzwischen auch.
Barrierefreiheit
Die Anbieter haben nachgebessert, aber Kontraste, Formularbeschriftungen und Tastaturbedienung hängen an der Vorlage und an dem, was du selbst anklickst. Wer unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz fällt, sollte messen statt vertrauen — Barrierewerk macht das kostenlos.
Alles, was der Baukasten nicht vorgesehen hat
Solange dein Wunsch im Menü steht, geht es. Sobald nicht, geht es gar nicht — es gibt keinen Weg daran vorbei. Das ist der Punkt, an dem Betriebe nach zwei Jahren doch anrufen.
Dir gehört nichts davon
Du mietest. Hörst du auf zu zahlen, ist die Seite weg. Und ein Umzug bedeutet praktisch einen Neubau: Texte und Bilder bekommst du heraus, das Design nicht.
Was beides über fünf Jahre kostet
Die ehrliche Rechnung — inklusive der Posten, die in Werbevergleichen gern fehlen.
- Baukasten: 10–40 € im Monat, macht über fünf Jahre 600–2.400 €. Läuft danach weiter. Dazu deine eigene Arbeitszeit für Aufbau und Pflege, die nirgends auftaucht, aber real ist.
- Eigene Website: einmalig 1.200–3.000 € für eine kleine Firmenseite, dazu Domain und Hosting mit rund 10 € im Monat. Über fünf Jahre 1.800–3.600 €. Danach fallen nur noch die 10 € an.
Rein finanziell nehmen sich die beiden also weniger, als es am Anfang aussieht. Der Unterschied liegt woanders: Nach fünf Jahren hast du beim Baukasten fünf Jahre Miete bezahlt und besitzt nichts. Bei der eigenen Seite besitzt du eine Website, die weiterläuft.
Das eigentliche Argument ist aber keins von beiden. Es ist die Frage, ob die Website Arbeit bringen soll. Eine Visitenkarte darf ein Baukasten sein. Wenn über die Seite Anfragen kommen sollen, entscheidet, wie gut sie gefunden wird und wie sie führt — und da ist der Unterschied groß.
Der Mittelweg, den kaum jemand nennt
Es muss nicht sofort das große Projekt sein. Eine einzelne, gut gemachte Seite — ein OnePager — kostet einen Bruchteil einer mehrseitigen Website, gehört dir, lädt schnell und lässt sich später erweitern. Für einen Handwerksbetrieb oder eine Praxis ist das oft genau richtig.
Und wenn du schon einen Baukasten hast und unsicher bist, ob sich ein Wechsel lohnt: Lass die Seite prüfen, bevor du entscheidest. Ladezeit, Barrierefreiheit und technische Grundlagen lassen sich messen — dann redet man über Zahlen statt über Geschmack.