Ratgeber
Was kostet ein Onlineshop?
Was ein Onlineshop kostet, entscheidet sich selten am Aussehen. Ein Shop ist keine Website mit Warenkorb. Er ist ein Ablauf, der von der Produktseite über Zahlung und Versand bis zur Rechnung durchlaufen muss — und genau dort entstehen die Kosten, nicht beim Aussehen.
Was der Markt verlangt
Stand August 2026, aus aktuellen Übersichten deutscher Agenturen zusammengetragen.
Baukasten-Shop (Wix, Jimdo, Shopify Basic selbst gebaut)
ab etwa 16–40 € im Monat, du baust selbst. Für einen ersten Test mit wenigen Produkten in Ordnung. Grenzen wie bei jedem Baukasten — solange dein Wunsch im Menü steht, geht es.
Shopify durch eine Agentur
3.000 – 8.000 € für einen kleinen Shop mit angepasster Vorlage. Mit eigenem Design, SEO-Aufbau und Schnittstellen eher 8.000 – 50.000 €. Dazu die monatliche Shopify-Gebühr und Transaktionskosten.
Shopware
ab rund 5.000 € für einen Starter-Shop mit Vorlage, nach oben bis 60.000 €. In Deutschland verbreitet, weil es mit deutschem Steuer- und Versandrecht gut zurechtkommt und sich an gängige Warenwirtschaften anbinden lässt.
WooCommerce (auf WordPress)
Software kostenlos, Entwicklung 4.000 – 15.000 €, Hosting 20–100 € im Monat. Günstiger Einstieg, aber die Erweiterungen summieren sich — und jede ist ein Stück fremder Code, der gepflegt werden muss.
Über alle Plattformen hinweg nennen die Übersichten eine Spanne von etwa 3.000 € bis 50.000 €. Diese Breite ist kein Ausweichen — sie kommt daher, dass „Shop" vom Zehn-Produkte-Verkauf bis zum Großhandel mit Warenwirtschaft alles bedeuten kann.
Was den Preis treibt — und was nicht
Zahlungsarten
PayPal allein ist schnell eingerichtet. Kauf auf Rechnung, Lastschrift, Ratenkauf und Klarna bedeuten jeweils eigene Anbindung, eigene Prüfungen und eigene Fehlerfälle.
Versand
Ein Pauschalpreis ist trivial. Gewichtsstaffeln, Sperrgut, Auslandsversand, Abholung, kostenlos ab Betrag X — jede Regel ist ein Sonderfall, der programmiert und getestet werden muss.
Varianten
Größen, Farben, Materialien: Ein Produkt mit drei Größen und vier Farben sind zwölf Bestände, die stimmen müssen. Das ist der Punkt, an dem aus einem einfachen Shop ein aufwendiger wird.
Anbindung an vorhandene Software
Der größte Posten überhaupt. Sobald Bestände, Preise oder Rechnungen aus einer Warenwirtschaft kommen sollen, wird aus dem Shop ein Software-Projekt.
Was den Preis kaum treibt: die Anzahl der Produkte. Ob zwanzig oder zweitausend Artikel eingepflegt werden, ändert am Bau des Shops fast nichts — es ändert nur, wie lange das Befüllen dauert, und das kann man oft selbst machen.
Die laufenden Kosten
- Hosting oder Shop-Gebühr: 20–100 € im Monat, bei gehosteten Anbietern je nach Tarif auch mehr.
- Zahlungsgebühren: üblicherweise 1–3 % je Bestellung plus Festbetrag. Bei kleinen Warenkörben spürbar — rechne das in deine Marge ein, bevor du startest.
- Wartung: Bei einem Shop nicht optional. Er nimmt Zahlungsdaten entgegen und ist ein lohnendes Ziel; ein ungepatchter Shop ist ein Haftungsrisiko.
- Marketing: Übersichten nennen 200–2.000 € im Monat für den Gesamtbetrieb, und der Großteil davon ist Marketing. Ein Shop ohne Besucher verkauft nichts — das ist der Posten, den fast alle unterschätzen.
Was rechtlich dazugehört
Beim Verkauf an Verbraucher gelten Pflichten, die über eine normale Website hinausgehen. Keine Rechtsberatung — nur die Punkte, die in jedem Shop-Projekt auftauchen.
- Widerrufsbelehrung mit Muster-Formular
- AGB — bei einem Shop anders als bei einer Dienstleistungs-Website praktisch unverzichtbar
- Preisangaben: Endpreise inklusive Steuer, Versandkosten klar erkennbar, bei Rabatten der niedrigste Preis der letzten 30 Tage
- Bestellbutton: muss eindeutig beschriftet sein, etwa „Zahlungspflichtig bestellen"
- Datenschutz: mehr als bei einer Website, weil Zahlungs- und Versanddaten verarbeitet werden
- Barrierefreiheit: Onlineshops im Verbrauchergeschäft fallen seit dem 28.6.2025 unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz — hier ist die Ausnahme für Kleinstunternehmen enger als bei Dienstleistungen
Für die Texte gibt es Anbieter mit laufender Aktualisierung. Das ist bei einem Shop meist gut angelegtes Geld, weil sich die Vorgaben ändern und ein veralteter Text abmahnfähig ist.
Mein ehrlicher Rat
Fang kleiner an, als du planst. Ein Shop mit zehn gut gemachten Produkten, einer Zahlungsart und einer Versandregel kostet einen Bruchteil — und du erfährst innerhalb weniger Monate, ob überhaupt jemand bestellt. Diese Antwort ist mehr wert als jede Funktion, die du dir vorher überlegt hast.
Und prüf vorher, ob du wirklich einen eigenen Shop brauchst. Wer zwanzig Artikel verkauft, ist bei einem Marktplatz oft besser aufgehoben — dort sind die Käufer schon. Der eigene Shop lohnt sich, wenn Marke, Marge oder Kundendaten dir gehören sollen.
Ich baue keine großen Shops mit Warenwirtschafts-Anbindung — dafür gibt es spezialisierte Agenturen, und das sage ich lieber vorher als hinterher. Was ich mache: kleinere Shops und die individuellen Anwendungen drumherum, wenn Standard nicht passt.